"Nach dem 2. Weltkrieg gab es zunächst so gut wie überhaupt keine Räder. Aber sehr bald nach der Währungsreform (1948) wurde das anders (...) Heute zahlt man für ein vergleichbares Rad rund 170 Mark. (Sogenannte Konfektionsräder bekommt man billiger, um rund 140 Mark und noch wesentlich darunter)" Wacker 1954, S. 95 f.
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Auf den folgenden Seiten finden Sie Alltagsfahrräder aus der Wirtschaftswunderzeit und ihre Geschichten und eine kommentierte Link- und Literaturseite mit Tipps für alle, die sich für historische Fahrräder interessieren.
Die Blütezeit des Fahrrades war wohl die Zeit des beginnenden 20ten Jahrhunderts. Radfahren war nun keine elitäre Angelegenheit einer wohlhabenden Bevölkerungsschicht mehr. Arbeiter und in großer Zahl auch Frauen entdeckten eine nie gekannte Mobilität durch eine Technik, die nicht furchterregend und rätselhaft und überdies noch teuer in Anschaffung und Unterhalt war (wie die Dampfmaschinen/Eisenbahnen oder die ersten Automobile). Das Fahrrad sicherte Mobilität mit nichts anderem als der eigenen Körperkraft: Eine Eigenschaft, die in der Mangelgesellschaft nach der Zerstörung der industriellen Infrastruktur nach dem 2. Weltkrieg wieder gefragt war.
Danach ging es rasant aufwärts: Wiederaufbau und Wirtschaftswunderzeit brachte vorher nie gekannten Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten. Das Rad dagegen wurde als Verkehrs- und Transportmittel endgültig vom, nun auch für Arbeiter erschwinglichen, Automobil verdrängt und zum Sport- und Freizeitvehikel degradiert, was sich in Anmutung und Qualität der Räder negativ niederschlug.
Die folgenden Räder stehen, jedes für sich, für diese Entwicklung. Es sind Gebrauchsräder für den Alltag ohne technische Raffinessen. Viele von ihnen werden gefahren, die anderen harren noch der Wiederherstellung oder dienen als Ersatzteilspender. Der Fundzustand wird möglichst erhalten, nur allzu eklatante Stilbrüche (wie Gel-Sattel oder Speichenstrahler) wurden beseitigt. Roststellen im Lack sind nicht überlackiert sondern lediglich geölt, um ein weiterrosten zu verhindern. Im Endzustand sollen sie eine Wachskonservierung erhalten - hier wird noch mit verschiedenen Produkten experimentiert.
Abb.: Schuztblechreiter (Adler-Werke)